Eigene Tankstellen

Jeder Mensch braucht Tankstellen: Orte, Zeiten, Rituale, bei denen er wieder auftanken kann, bei denen er zur Ruhe kommt und sich neu orientiert. Im Coaching kann es ein Ziel sein, solche Tankstellen für sich zu entdecken.

In den folgenden beiden Texten habe ich beschrieben, was für mich unter anderem solche Tankstellen sind.

Still werden und lauschen

Auszeiten im Laufe des Jahres

Es gibt Orte, die uns helfen, unsere spirituellen Antennen auszufahren und für Gottes Wirklichkeit empfänglich zu sein. Gottesdienste, Zeiten der persönlichen Stille und Bibellektüre, Freizeiten, die Gemeinschaft mit anderen in Gruppen und Hauskreisen, all diese Orte und Zeiten laden uns ein, zu lauschen. Denn unsere sichtbare Welt ist so laut mit ihren Anforderungen und Ablenkungsangeboten, dass es zunehmend schwer ist, tatsächlich für Gottes Gegenwart auf Empfang zu gehen.

Mir hilft es sehr, mir auf meinem spirituellen Weg einmal im Jahr eine besondere Auszeit zu gönnen. Die heimischen Gottesdienste sind wie liebevoll zubereitete Pausenbrote. Eine Woche der Einkehr ist wie ein festliches Menü mit mehreren Gängen bei Kerzenschein und wundervoller Musik. Das ist seit vielen Jahren mein Bild für eine Woche in Taizé, für die ich versuche, mich jedes Jahr einmal freizuschaufeln.

Still werden, bei mir selbst ankommen, auf Empfang gehen für das, was Gott mir sagen möchte. Und dann empfangen, beschenkt und manchmal getröstet werden, „voll eingeschenkt bekommen“, Orientierung gewinnen. „Das Haupt mit Öl gesalbt“ fahre ich dann wieder nach Hause. Voller Freude und Dankbarkeit und manchmal mit neuen Kontakten zu Menschen aus anderen Ländern und Kontinenten. Und oft auch mit neuen Ideen für das, was sich nun in meinem Leben ändern wird.

Jesu Zusage gilt schon für zwei

Gemeinsam im Glauben wachsen

Jesus schenkt uns eine große Verheißung, indem er uns zusagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wenn ich im Glauben wachsen möchte, brauche ich neben dem Gebet (der direkten Hotline zu Gott), immer auch das Gegenüber anderer Christen. Aus gutem Grund gibt es darum Hauskreise, kleine Gruppen von Menschen, die sich regelmäßig treffen, um genau das zu pflegen: Den Austausch über den Glauben mit anderen Glaubenden, Zweifelnden und Fragenden.

Seit vielen  Jahren mache ich die Erfahrung, dass Jesu Zusage tatsächlich auch schon ab zwei Menschen gilt, die sich in seinem Namen zu Gebet und Glaubensgespräch treffen. Mit meiner Freundin Claudia bin ich etwa alle sechs Wochen verabredet, damit wir uns ganz bewusst etwa drei Stunden Zeit nehmen können, Gott in den Mittelpunkt zu stellen und unsere Antennen für sein Wort neu auszurichten.

Dabei hat sich im Laufe der Zeit ein festes Ritual der Abendgestaltung für uns als wohltuend und gut erwiesen: Wir nehmen uns kurz Zeit für den Austausch, was uns in unserem Leben aktuell stark beschäftigt. Dann wenden wir uns einem Buch zu, das uns durch unsere Zeit mit Gott begleitet. In den ersten Wochen haben wir die „Exerzitien im Alltag“ von Anselm Grün gelesen. Wir lesen uns abwechselnd die einzelnen Abschnitte vor - in der Regel ein Kapitel pro Abend - und tauschen uns darüber aus, was uns an diesem Text anspricht und was er mit unserem Leben zu tun hat. Woran bleibe ich hängen, was berührt mich, was ärgert oder erfreut mich an dem Text? Und wie siehst Du das?
In der Regel entsteht so ein sehr intensiver und persönlicher Austausch. Und oft nehmen wir sehr unterschiedliche Impulse für unser Leben mit in die nächsten Wochen. Wir beschließen den gemeinsamen Abend mit einem laut gesprochenen Gebet, indem wir nochmals alles vor Gott bringen, ihm danken und ihm all das anvertrauen, wofür wir um seine Führung und seinen Segen bitten. Für uns ist diese Form der Zweierschaft eine wertvolle Sache. Und wir können sie nur fröhlich weiter empfehlen.

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Carola Kalitta-Kremer